Staffelübergabe bei der CURSOR Expert Solutions GmbH
Die CURSOR Expert Solutions GmbH (XPS) vermeldet eine Neubesetzung in der Geschäftsleitung.
Am 8. Juni 2026 wurde Jürgen Heidak als weiterer Geschäftsführer bestellt. Jürgen Heidak löst Thomas Rühl als langjährigen CEO des Spezialanbieters für datenbanknahe IT-Services ab. Die personelle Besetzung mit Jürgen Heidak, seit Juli 2025 Vorstandsvorsitzender der CURSOR Software AG, signalisiert die enge Bindung zwischen Konzerntochter XPS und der CURSOR Software AG. Unverändert bleibt die Leitung unter der bewährten Regie von Erik Stahlhut, der seit Juli 2024, zusammen mit Thomas Rühl, Geschäftsführer der XPS ist.
Die Staffelübergabe ist ein weiterer Meilenstein in der über vierzigjährigen Historie der XPS. Wir nehmen diesen Meilenstein zum Anlass, für einen Rückblick in eine spannende Epoche der IT-Geschichte und gehen der Frage nach:
Wie hat es ein kleines Unternehmen geschafft, bei allen Veränderungen, so lange erfolgreich zu sein?
Das Startup
Gehen wir zurück in das Jahr 1985. Klaus Nonne und Wolfgang Schneider gründen eine Firma mit dem Ziel "moderne" Software zu entwickeln. Die Firma benennt sich nach ihren Gründern. Der vollständige Name erklärt das Geschäftsziel: Nonne & Schneider Informationssysteme GmbH, bald nur noch unter NSI bekannt. Steinzeit, muss man wohl die Anfänge nennen, denn die ersten Algorithmen von NSI entstehen in einem kleinen Büro im Gießener Güterbahnhof, noch ohne Computer, auf Papier.

Die Pioniere
Hardware ist seinerzeit sehr teuer und die Systeme sind proprietär. UNIX beginnt sich langsam zu etablieren, einhergehend mit C als Programmiersprache. Relationale Datenbanken sind eher noch ein theoretisches Modell und für den ersten UNIX-Rechner von Siemens, steht nur eine Datenbank zur Verfügung - Informix 1.
Damit sind alle Zutaten gegeben. Ziel des jungen Unternehmens ist es Software für eine örtliche Spedition zu entwickeln. Es entsteht eine Branchenlösung. Die UNIX-Community ist klein, die Aktivitäten im Gießener Güterbahnhof sprechen sich herum.
Schon bald läuft die kleine Softwareschmiede den Großen den Rang ab. Nixdorf sucht nach einer Speditionssoftware und erkennt das Potential der NSI-Entwicklung. Siemens, seinerzeit Wettbewerber von Nixdorf, hat eine eigene Lösung am Start und will verhindern, dass der Wettbewerber gleichzieht. Die Konkurrenten überbieten sich. Siemens bekommt den Zuschlag und die NSI-Software verschwindet in einer Schublade. Konkurrenz ausgestochen, aber nicht zum Nachteil von NSI. Das junge Unternehmen kann sich nun ordentliche Büroräume und leistungsfähige Rechner leisten. Vier Jahre nach Gründung wird die erste SUN Sparc-Station in Deutschland an NSI ausgeliefert.
Tools, Erfolge mit Partnern
Die Entwicklung von Software im Kundenauftrag schreitet voran. Die Sprache C ist wenig geschmeidig. Parallel wird versucht die Programmierung zu vereinfachen und einzelne Schritte zu automatisieren. Die ersten Entwicklungstools entstehen. Aus Datensatzbeschreibungen werden Bildschirmdialoge generiert. Andere Softwarehäuser stehen vor den gleichen Herausforderungen und es spricht sich herum, dass es in Gießen eine Lösung gibt. Aus den ersten Ansätzen für die eigene Entwicklung entsteht ein Produkt, das Software Development Tool FIX/C.
Die Entwicklung von Tools wird in den nächsten Jahren ein wesentlicher Teil des NSI-Portfolios. Technische Entwicklung werden frühzeitig adaptiert. Kaum ein Jahr nach der Freigabe von JAVA, kann NSI bereits 1996 mit FIX/J ein eigenes Development Framework für die neue Plattform anbieten.
Die NSI-Tools werden zum grundlegenden Werkzeug für die Entwicklung in anderen Softwarehäusern. Namhafte Unternehmen mit Zielgruppen im Möbelbau, der Glasindustrie, im Personal- oder Finanzwesen entwickeln ihre Software mit NSI-Tools. NSI wächst mit den erfolgreichen Lösungen seiner Partner.
Lang lebe die Software
Das Projektgeschäft, die Entwicklung von Unternehmenssoftware für spezielle Anforderungen, bleibt bis zur Jahrtausendwende eine weitere Säule im Portfolio. Mit den eingesetzten NSI-Tools sind die Lösungen für den Kunden selbst erweiterbar. Dieser offene Ansatz und die handwerkliche Qualität der Lösungen, spiegeln sich in ihrer Lebensdauer wider. Laufzeiten von über dreißig Jahren für geschäftskritische Systeme sind belegbar. Auch die Branchenlösungen der NSI-Partner kennen ähnlich lange Laufzeiten. Kontinuierliche Weiterentwicklung, Anpassung an Anforderungen und die technischen Gegebenheiten, ermöglichen diese langen Laufzeiten. FIX/C wird im Jahr 2008 auf Unicode umgestellt und verarbeitet japanische Zeichensätze, um Partnerlösungen für den japanischen Markt verfügbar zu machen.

Gießener Anzeiger, Oktober 1997



Aufstieg zum IBM Informix Partner
Datenbanken sind in den 90er Jahren die Schlüsseltechnologie für Anwendungen. Es gibt drei Platzhirsche, die den Markt dominieren: Oracle, INFORMIX und IBM Db2. Auch wenn Portierungen für Oracle erstellt werden, die NSI-Tools werden systemnah für Informix entwickelt und optimiert. Diese Optimierung und - Informix ist Ende der 90er Jahre einfach das beste relationale Datenbanksystem - ebnen den Weg in die Applikationen der Partner. Informix wird die tragende Datenbank in allen Partnerlösungen, die mit NSI-Tools entwickelt werden.
Die Lösungen von NSI und die der NSI-Partner etablieren sich erfolgreich am Markt. Klaus Nonne verhandelt direkt mit INFORMIX, um den steigenden Bedarf an Datenbanklizenzen aufzufangen. NSI wird Ende 1995 Value-Added-Reseller und ab 1996 Service- und Supportpartner für Informix Datenbanken. Informix Lizenzierung- und Wartungsleistungen sollen für die nächsten dreißig Jahre ein wichtiges und beständiges Fundament für NSI darstellen.
Eine Zäsur komm im Jahr 2001. IBM übernimmt INFORMIX für eine Milliarde US Dollar und wird kurzfristig mit Informix und Db2 zusammen zum Marktführer für Datenbanken. Die zukünftige Koexistenz beider Systeme unter IBM, soll hier nicht weiter thematisiert werden. NSI wird mit der Übernahme von INFORMIX durch IBM, automatisch IBM Vertriebspartner.
Der Roll-Out von Lösungen, die mit NSI-Tools entwickelt wurden, erreicht in den kommenden Jahren seinen Höhepunkt. Der Bedarf an Informix Lizenzen steigt beständig. NSI wird einer der herausragenden Vertriebspartner für IBM Informix in Deutschland und bekommt im Jahr 2012 vom IBM Partnership Solution Center einen Award als bester Software-Partner verliehen (OEM/ESA).
NSI kommt zu CURSOR
Für NSI bedeutet das Ende des Jahres 2005 einen überraschenden Eigentümerwechsel.
Klaus Nonne übergibt aus persönlichen Gründen das Unternehmen in die Hände von Thomas Rühl. Wolfgang Schneider hat sich wenige Jahre zuvor bereits aus dem Unternehmen zurückgezogen. Thomas Rühl, Gründer der CURSOR Software AG in Gießen, übernimmt die Geschäftsleitung und die Nonne & Schneider Informationssysteme werden eine 100-prozentige CURSOR Tochter.
Langsam zeichnen sich Veränderungen am Markt ab. Standardsoftware verdrängt zunehmend die individuelle Programmierung von Kundenlösungen. Projekte werden seltener. Softwareentwicklung globalisiert sich. JAVA verbreitet sich schnell und hat eine große Unterstützung. NSI versucht mit einem Redesign von FIX/J im Markt der Tools noch einmal Fuß zu fassen kann aber das neue Werkzeug nur begrenzt vermarkten.


Thomas Rühl stellt die Weichen neu
Die NSI-Tools werden im Rahmen der technischen Weiterentwicklung gepflegt und ausgebaut. Neue Tools sind nicht beabsichtigt. Mitarbeiter aus der Projektentwicklung übernehmen zunehmend Aufgaben bei CURSOR. Die fachliche Kompetenz der neuen Kollegen wird bei CURSOR hoch geschätzt. Es bleibt das lukrative IBM Geschäft, dass es zu verstärken gilt.
Thomas Rühl erweitert die Informix Mannschaft und holt Erik Stahlhut an Bord.
Gleichzeitig drängt IBM auf eine Erweiterung des Portfolios über Informix hinaus, Db2 und Cognos stehen im Gespräch. Konkret, es soll eine Distribution für IBM Software im Partnerumfeld aufgebaut werden. Hier erweist sich die größere CURSOR als der bessere Kandidat und im Herbst 2008 entsteht die CURSOR IBM Distribution. Erik Stahlhut wechselt zu CURSOR und übernimmt die Leitung des neuen Bereichs.
Ab diesem Zeitpunkt werden Informix Lizenz- und Serviceleistung in Personalunion, von CURSOR und NSI gemeinsam erbracht. Das Informix Geschäft entwickelt sich weiter stark. Es werden Lizenz- und Service Leistungen, first- und second-Level Support international zu mehreren hundert Installationen mit in der Summe weit über 10.000 Anwendern erbracht.
Service, Service, Service und doch wieder ein Tool
Vor dem Hintergrund der breiten Installationsbasis und dem hohen fachlichen Know-how der NSI-Mitarbeiter, wird die Servicekompetenz für Informix weiter ausgebaut. Erik Stahlhut etabliert ein Support-Team mit 24x7h Bereitschaft. Namhafte Unternehmen und IT-Dienstleister nehmen diese Leistungen in Anspruch. Der Fokus der Aktivitäten liegt im rechtzeitigen Erkennen, dem vermeiden von Störungen bevor sie auftreten. Automatisiertes Monitoring ist der Schlüssel dazu. Wieder paart sich tiefstes technisches Verständnis mit der Lust am Programmieren, es entsteht ein neues Tool - der Admin-Scout.
Der Admin-Scout ist eine Entwicklung von NSI-Mitarbeitern mit langjähriger Erfahrung im Support und der Administration von Informix. Der Admin-Scout wird von CURSOR erstmals auf den IBM Informix Technologietagen 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Informix Support von CURSOR und viele Administratoren von Kunden, setzen den Admin-Scout als zentrales Tool für Entwicklung, Administration und Monitoring, kurz für das gesamte Datenmanagement unter Informix ein.


Nonne & Schneider wird zur CURSOR Expert Solutions
Anfang der 2020er Jahre beginnt IBM ihre Vertriebswege für Software neu zu strukturieren, das Modell der OEM/ESA Distribution wir abgelöst. NSI verhandelt nun wieder direkt mit IBM, um einen eigenen Vertrag für den Informix Vertrieb zu erhalten. Zugeständnisse werden notwendig. IBM offeriert Subscription als neuen Weg. Lizenzen sind nicht mehr unbefristet gültig, aber es gelingt eine für NSI und seine Partner tragfähige Lösung zu finden. Die Abkehr der IBM vom ESA Distributionsmodell und der neue Vertrag, führen nun alle Aktivitäten wieder unter einem Dach zusammen. Thomas Rühl und Erik Stahlhut nutzen den Wandel für eine Konsolidierung der Aktivitäten und Neuausrichtung der NSI.
Datenbankzentriertes Lösungsmanagement ist die treffende Beschreibung für die neue Ausrichtung. Dieser Ausrichtung folgend ändert sich für die Nonne & Schneider Informationssysteme der Name und ab dem 4. Juli 2024 firmieren wir unter der CURSOR Expert Solutions GmbH (XPS). Einhergehend erfolgt eine Erweiterung der Geschäftsleitung. Erik Stahlhut wird zusammen mit Thomas Rühl neuer Geschäftsführer. Mehrere Neueinstellungen für Positionen im Support, der Entwicklung und der Planung sind in der Zwischenzeit erfolgt.
Heute sind wir für unsere Kunden ein spezialisierter Dienstleister für die performante und sichere Verfügbarkeit von geschäftskritischen Datenbankmanagementsystemen. Mit der XPS Data Suite bieten wir ein umfassendes Datenbankmanagementsystem mit einem Subscription Lizenzmodell, erweitert mit administrativen Tools und speziellen, auf die Kundensituation zugeschnittenen, Serviceleistungen.
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Wie haben wir es geschafft, bei allen Veränderungen, so lange erfolgreich zu sein?
Rückblickend ist es die Kontinuität aus der soliden Arbeit hervorragender Mitarbeiter und dem Mut, frühzeitig Entwicklungen innovativ aufzugreifen. Es ist auch die loyale Zusammenarbeit mit Kunden, Partnern und Lieferanten, einhergehend mit exzellenter, technischer und operativer Servicequalität, die den langfristigen Erfolg gesichert hat.
Gießen, im August 2026
